Vita

Nikolaus Koliusis

bildender Künstler

* 2. November 1953 in Salzburg

lebt in Stuttgart,

Die Überschreitung von intellektuellen, wie sinnlichen Begrenzungen ist das Grundthema der künstlerischen Arbeit von Nikolaus Koliusis. Die Objekte aus Farbfilterfolien, Glas und Licht aktivieren mittels Transparenz, Spieglungen, Licht und Faltung die räumliche Wahrnehmung. Die Tiefe, das Ferne, das Unbegrenzte weiten den begrenzten architektonischen Raum. Mit der häufig verwendeten Farbe Blau ruft die erzeugte Tiefe Sinnzusammenhänge auf, die mit dem Himmel/ der Weite und den menschlichen Beziehungen spielen. Das darin angelegte Überschreiten der alltäglichen Wahrnehmung entfaltet jeweils im Zusammenhang mit einem spezifischen Raum, z.B. Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“- Morde  , Berlin, seinen Sinn. 

Ich würde gerne Fliegen können – wenn auch nur ein bisschen. Vielleicht sind Töne nur ein anderes Wort dafür. Und blaues Licht nur eine andere Form.“
N.K. 2018

als gelernter Fotograf  war er in den 1970er Jahren für ein internationales Architekturbüro tätig. Noch vor der digitalen Technik entwickelt er im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Universität Stuttgart die Simulationsfotografie im Planungsverfahren der Architekten. Daraus folgt 1973 – 78 eine Dozentur an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart zum Thema Fotografie im architektonischen Planungsprozess

Nach einem Aufenthalt in New York, 1978/79, einem ersten Kontakt mit John Cage 1979 und einem Zusammentreffen mit William Anastasi wendet er sich von der reinen Fotografie ab. Im Umfeld der erweiterten Fotografie (Ausstellung, Wien 1981) findet er seinen Weg in die künstlerische Arbeit.  Seit 1979 bilden Architektur bezogene Projekte den Schwerpunkt seiner Arbeit. 1980 findet sie Unterstützung durch ein Stipendium des Kulturkreises im Bund der Deutschen Industrie. 1983 fand die erste Einzelausstellung im Museum Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, Fotografie – das ausschnitthafte, erweiterte Bild statt. 1987 folgt die Installation in der Kunsthalle zu Kiel. Nach einem Japanaufenthalt 1989, und einer Gastdozentur an der Universität Yamaguchi ist er von 1989 bis 92 Dozent an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart. In diese Zeit (1989) fällt auch das Projekt für die Documenta IX, „Netz, das die Kunst schützt…“ in Zusammenarbeit mit Jan Hoet. 1992 schließt sich die Gastprofessur an der Gesamthochschule Kassel 1992 – 93 (Freie Kunst, Bildhauerei) an.  Seit 1995 wird sein Werk vermehrt im Umfeld der konkreten Kunst wahrgenommen, u.a. Ausstellungen “In Teilen”, Stiftung für konkrete Kunst, Reutlingen; „Laszlo Moholy Nagy – Idee und Wirkung“, Kunsthalle Bielefeld; „L’art concret aujourd’hui“, Espacede L’Art Concrete, Château de Mouans-Sartoux, Frankreich. Mitte der 90er Jahre überschreitet sein Werk zunehmend die rein kunstimmanenten Zusammenhänge und greift in gesellschaftliche Bedeutungsräume aus: es entsteht 1996 das erste Bühnenbild, 1999 erhält er den Kunstpreis des „Freundeskreises Artheon“ Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche (Gesamtwerk).
2005 den Architekturpreis „Renault Traffic Award 2005“ für die permanente Installation „50 km/h“ im Autotunnel unter dem Kunstmuseum Stuttgart. 2012,  1. Preis im Realisierungswettbewerb zum Gedenkort für die Opfer der Aktion T4 am Geschichtsort Tiergartenstr. 4, Berlin,   mit Ursula Wilms und Heinz W. Hallmann (realisiert 2015).  Krankenhäuser, Hospize und Büro/Arbeitsräume, Theater zählen zu den Auftragsfelder, in denen seine installationen die architektonischen Strukturen und die menschlichen Beziehungen in ortsspezifische Zusammenhänge bringen. Sinnliches Erfahren, geschichtliches Erinnern und gegenwärtiges Reflektieren erzeugen darin vielfältige Horizontverschiebungen.
Seine Arbeiten befinden sich weltweit in privaten und öffentlichen Sammlungen: Japan, Frankreich, USA, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Spanien, Italien, Deutschland, Kanada.

Im Oeuvre von Nikolaus Koliusis stehen zwei Werkkomplexe nebeneinander: 1. Die solitären Werke und 2. die auf spezifische Räume bezogenen Installationen.

  1. In den Solitären öffnen die Transparenz und die Spiegelung seiner Materialien – Kunststoff-Folie und Glas – in Verbund mit der, immer offen liegenden, technische Konstruktion die Fläche zum Raum. In Umkehrung verdichtet sich der Raum an der Fläche. In Verbindung mit der Farbe Blau ereignet sich Raum als unbestimmte Tiefe und als offene Fläche. Die Überschreitung gängiger Wahrnehmungsebenen ist zugleich Grundlage und offener Horizont der Werke. Im Zentrum steht die Vorstellungswelt eines zeitlich und räumlich freien Raumes.
  2. In den Installationen ergibt sich aus der spezifischen Sinnvorgabe des Ortes jeweils eine besondere Richtung der Grenzüberschreitung. Übergangsräume der unterschiedlichsten Qualität: Eingangshallen, Hospizräume, Gedenkort, Autotunnel werden derart als ein Geflecht von architektonischen Funktionsvorgaben und menschlichen Beziehungen präsent. Raum wird als vom Menschen berührter Raum wahrnehmbar.

Biografie

1970 – 73     Ausbildung zum Fotografen
1973 – 76     Fotograf in internationalem Architekturbüro,
Entwicklung eines Foto-Corporate- Identity-Programms
1976              Forschungsprojekt zur Simulationsfotografie an der Universität Stuttgart
1973 – 78     Gastdozent an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart
zum Thema Fotografie im architektonischen Planungsprozess

1978/79       Aufenthalt in New York, Zusammenarbeit  mit John Cage und William Anastasi
seit 1979      architekturbezogene Projekte
1980             Stipendium des Kulturkreises im Bund der Deutschen Industrie
1989              Aufenthalt in Japan, u.a. Gastdozentur an der Universität Yamaguchi
1989 – 92     Dozent an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart
1989             Documenta IX, Projekt mit Jan Hoet: „Netz, das die Kunst schützt…“
1992              Aufenthalt in Australien
1992 – 93     Professur an der Gesamthochschule Kassel
1996             erstes Bühnenbild
1999             Kunstpreis „Freundeszeichen Artheon“ – für das Gesamtwerk
2004/05       Zusammenarbeit mit Uwe Wiczorek, „ZwischenLicht“, Liechtenstein
2005             Architekturpreis „Renault Traffic Award 2005“
2012             1. Preis im Realisierungswettbewerb zum
Gedenkort für die Opfer der Aktion T4  am Geschichtsort Tiergartenstr. 4, Berlin,
mit Ursula Wilms und Heinz W. Hallmann
2014             Langsam die Hand vor den Augen öffnen, Raum der Stille, Stuttgart
2014             Peking “PLAY THE LIGHT”

2015             GEGENÜBER, Berlin, Tiergartenstrasse 4, Berlin, Gedenk- und Informationsort
für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“- Morde (T4)

2016             BLAU, Museum DKM, Duisburg (D)

2017             Blaubeziehung, Retrospektive, Museum DKM, Duisburg (D)
2018/19      Artist in Residence, Stuttgarter Philharmoniker, Liederhalle Stuttgarter, Blau