Texte Statements

I would love to fly… if only a bit. Maybe sounds are just another word for that. And Blue Light is nothing but another shape.
Nikolaus Koliusis 19-10-2018 Liederhalle Stuttgart

 

TEXT sTAATSGALERIE FOLGT cHRISTIANE lANGE

pRESSETEXT sT pHILHARMONIKER

Ich finde Ihre Arbeit anregend, mache mir zu der Farbe blau Gedanken und bin tief beeindruckt von der Arbeit „Gegenüber“ in Berlin.
Marcia Schoenberg ETH Zürich 21.08.2018

Für mich ist die Farbe blau eine Farbe der Hoffnung, der Trauer, der Klarheit, der Sanftheit, der Durchlässigkeit. Obwohl das Wort „blue“, wie bei „I’m feeling blue“, ein Synonym für depressed, down, sad, melancholy, downcast, etc., ist, ist für mich die Farbe blue auch etwas Schönes und Reines, etwas Ueberirdisches, etwas Zerbrechliches, die Farbe des Himmels, die Farbe der Träume, der Grenzlosigkeit, der Unbestimmtheit. Ich finde, dass gerade diese Farbe in einem Raum der Stille richtig ist, da alle Gefühle und Gedanken, die in diesem Raum zum Ausdruck kommen, in dem Blau aufgenommen werden können und darin Platz habe und schweben und sich ev. verwandeln können. Blau beeinflusst nicht, es lässt das Licht und das was auftaucht durchlassen.

Nikolaus Koliusis, Das Atelier, 1998, Kunstmuseum Stuttgart
„Lebens- (Arbeits-)raum, Labor, Bühne“ – das alles nicht, noch nicht einmal ein Innenraum.

Als aller erstes verlangt dieses Bild von mir die Irritation, die die Spiegelung des Museumsraumes auf der Bildverglasung und der wellenschlagenden  blauen Folie erzeugt, als Bestandteil des Bildes an zu nehmen. Sie rückt in mein Bewusstsein, dass ich in diesem, vom Alltag deutlich unterschieden Museumsraum stehe. Dieser Ort ist die Voraussetzung meines Sehens. In ihn sind die Möglichkeiten und die Begrenzungen meiner Wahrnehmung eingebettet. In fast grober Radikalität führt mir Koliusis vor Augen, dass die Chancen dieser Bildkultur zugleich die Einschränkungen meines Sehen mit sich führen- buchstäblich und metaphorische sind hier die Chancen und Einschränkungen der Reflektion ins Spiel gebracht. Mit dieser ersten Zurückweisung in den Raum meines Sehens und Denkens begegne ich dann einer zweiten Zurückweisung. Denn entgegen aller Erwartung, dass das Bild mir einen Raum – den Atelierraum öffnet, weist es mich ein zweites Mal zurück. Mein Blick fällt auf eine Wand, die im diagonalen Verlauf das gesamte Bild versperrt. Die Außenwand des Ateliers – das wiedererkennbar das Stuttgarter Atelier Nikolaus Koliusis ist – verweigert nicht nur den Blick ins Atelier, sondern schiebt meinen Blick, noch bevor ich in das Bild eindringen kann, sogleich wieder in ein Außen. Nur ein Stück Himmel oben und eine kleine Dreieckszone rechts unten eröffnet überhaupt so etwas wie eine räumliche Dimension, die ein „Hinein“ erlaubt – allerdings nur unter der Bedingung einer Verdeckung. Als mächtiger Klotz verweigert das Atelier den Blick auf die Welt und macht dann doch ein Versprechen, denn es gibt einen Einlass, eine Tür in einen Licht erfüllten Raum. Verführerisch ist es zu glauben, dass das Angebot, das Koliusis bereithält, ein Geheimnis ist, das in einer Licht erfüllten Welt verborgen liegt, zu der der Künstler als „Magier“ den Zugang besitzt. Die Ahnung einer „Weite in anderer Dimension“ ist vielleicht die Sehnsucht, die die künstlerische Arbeit Koliusis antreibt – die Chance dieser Dimension näher zu kommen, ergibt sich aber nicht aus der Möglichkeit in ein Inneres vorzudringen, sondern offensichtlich aus der Position eines Außen. So zumindest lässt sich die Zurückweisung des Blicks, die Verweigerung des Bildes lesen.  Koliusis wagt die Frage, was sehe ich, wenn ich außerhalb stehe. Wir wissen – er weiß, dass dieser Standort nicht möglich ist. Und dennoch, oder gerade wegen der Unmöglichkeit so zu fragen, zeigen uns die Bilder, zeigt uns die Entwicklung seines Oeuvres, was sichtbar wird, wenn Kunstwerke anstatt den Blick zu definieren, den Standort verschieben.

Standortverschiebung meint nicht, ein bisschen mehr rechts oder links, ein bisschen mehr oben, oder unten. Vielmehr handelt es sich dabei um eine kategoriale Verschiebung, die Raum jenseits des messbaren geometrischen Raumes qualifiziert und wahrnehmbar werden lässt. Die blaue Filterfolie, die im Atelierbild dem fotografischen Bild einen vorgelagerten Raum zwischen BetrachterIn und Bild eröffnet,  ist zum Instrument dieser Verschiebung geworden. Poetische Räume, Erinnerungsräume, Raum-Zeitzonen erschließt Nikolaus Koliusis mit diesem Instrument.

Susanne Ließegang, im Dezember 2017

 

Nikolaus Koliusis, Blaubeziehung, Museum DKM Duisburg, 13.10. 2017 – 9.1.12018

Jenseits aller Anekdotik
Die eigentliche künstlerische Arbeit von Nikolaus Koliusis, ein zu Beginn der 80er Jahre hoch
erfolgreicher Fotograf, beginnt, als er seinem Medium zu misstrauen begann. Da war zum einen das
deutliche Unbehagen an der Situation des Fotoshootings, das eine Verschiebung der Schamgrenze
des Blicks zum Normalfall erklärt. Viel zu nah, viel zu direkt hält der Fotograf – versteckt hinter und
legitimiert durch die Kamera- seinen Blick auf sein Gegenüber gerichtet und übergeht damit
gesellschaftliche Normen der Distanz. Gewichtiger aber für die Entscheidung, sich der Fotografie
unter veränderten Voraussetzungen zu bedienen, war die grundlegende Erfahrung, dass das
fotografische Bild ein Abbild erzeugt, ohne aber darin die Authentizität des fotografierten
Augenblicks notwendiger Weise zu transportieren. Der erlebte Zauber und die Intimität einer
Ballettprobe des Stuttgarter Staatsballetts erzeugte eine Scheu vor dem fotografierten Bild, das nur
noch als enttäuschend antizipiert werden konnte. Es blieb unentwickelt und verschwand auf der
Filmrolle gebannt in den Tiefen des Archivs. So steht am Anfang der künstlerischen Arbeit eine Art
Ikonoklasmus, eine Bild-Verweigerung verbunden mit der Faszination an der Authentizität eines
erlebten Moments.
Wenn der Blick und das Bild von der fotografischen Arbeit fern gehalten wird, was bleibt dann noch
von diesem Medium übrig? Nikolaus Koliusis baute die Kamera auseinander und hatte die
durchsichtige „Mattscheibe“ in Händen. (Mattscheibe, 1980) Das war der „Ort“ der Bildentstehung.
Gleichsam ohne Blick hielt er diese Mattscheibe als Membran, an der sich der Raum und das Licht
verfangen, in die Welt. Diese Mattscheibe mutierte zur Folie, einem vertrauten Material aus dem
Fotoshooting. Die Architektur, der menschlich erzeugte Funktionsraum, dem Koliusis als junger
Fotograf auf der Spur war, den er fotografisch zu reflektieren gelernt hatte, blieb sein Bezugsrahmen.
Bis heute gelten ihm seine Interventionen. Durchsicht und Reflexion, Verdeckung und Schichtung
generieren seit dem die „Sicht“ auf die Welt.
Die Ausstellung im DKM zeigt die spielerische Leichtigkeit, in der Koliusis über die Jahrzehnte hinweg
diese Membran in die Welt hält, um dem Raum unter immer wieder neuen Aspekten und
Deutungszusammenhängen zu begegnen. Zur Membran gesellt sich früh die Farbe Blau hinzu. Beim
Betreten der Ausstellungsräume im DKM leuchtet den Besuchern der ein blaue Dot (fully covered, 3,
2000) aus der Ferne entgegen, eine Zielscheibe, die den Blick in unendliche Ferne öffnet, sofort und
unumstößlich anklingen lässt, dass der umbaute Raum des Museums nicht das Maß aller Dinge ist. In
der Raumfolge des Museums wird mit „Raum“ und Licht dieses Maß, wie in einem Buch Kapitel für
Kapitel, Raum für Raum neu justiert.
Zum Auftakt weitet in einer Petersburger Hängung das „Bild“ den Raum, gesellt ihm in
unterschiedlichen Querformatgrößen Horizonte und umgrenzte Weiten zu (Pleasure is on all sides,
2007), biete geschichtete Tiefen(Double Rosco No.2, 1995) und lässt das Blau als freien, gestaltlosen
Eigenwert in den Raum treten (Blow up), 1990) Bleibt in diesem ersten Kapitel alles dem Spiel
zwischen dem künstlerischen Ausgangspunkt Fläche (Bild) und der „Quellfarbe“ Blau verpflichtet, so
widmet sich das nächste Kapitel dem Raum. Eine große blaue Folie(blue box, 2017) schwingt in einer
offenen U-Form frei im Raum. Sie erzeugt ein Innen und ein Außen und setzt den Raum in Bewegung.
Jenseits einer Vermessung und unabhängig von einer Umgrenzung entspringt hier Raum als Qualität
in aus der Leere. Wie eine Schiffsschraube das Wasser aufwirbelt, wird hier der Raum verwirbelt. In
der Bewegung verbindet sich dabei Raum und Zeit, diese beiden Koordinaten der zeitgenössischen
Physik und erzeugen sich in ihrer Relativität. Ich beginne im Raum zu schwingen und gleichzeitig
umfängt mich die Folie wie ein Mantel, oder wie ein schützender Arm. Ich werde, von der Folie
geleitet, zur Tänzerin im Raum. Erst wenn ich mich bewegen lasse, beginnt der Tanz des Raumes.
Beim Umtanzen der Folie fällt mein Blick in eine runde Spiegelscheibe (BS, 2010) und katapultiert

mich aus der freien Schwingung in ein Hier und Jetzt des Gegenübers. Mein Spiegelbild – ich hier, du
dort – erzeugt eine spontane Verortung. Der Moment meines Stehens wird zum Raumpunkt, der im
gegenüber des Spiegels sogleich wieder seine Koordinaten verliert, denn die Rundung der
Spiegelfläche hebt auch hier die Verortung im Raumkasten auf. Vor einer dritten Wand begegnen
mir, von der Decke hängend, zwei transparente blaue Folienbilder in schwarzer Umrandung frei im
Raum. (Blauraum, 2017) Die Folie des Raum-Us ist hier in eine flache Ebene zusammengefaltet und
zum Flachkörper –Bild- mutiert. Das Falten der Folie erzeugt eine Schichtung, die ins Bewusstsein
hebt, dass Bilder (die Reduktion auf die Fläche) eine eigenständige Qualität besitzen, die dem realen
Raum eine „weitere“ Ebene hinzugesellen. Das Hindurch-sehen durch die blaue Fläche öffnet einen
Raum, der jenseits der Raum-zeitlichen Dimension des Us liegt. Seine Qualität entspringt dem
Ruhepol des Stehens vor dem Objekt und der undefinierbaren Tiefe des „Blauraums“, der sich
wiederum mit dem Umraum verbindet. Das Bild fügt dem leeren Raum einen ruhenden, blau
qualifizierten Raumausschnitt hinzu.
Aus den Tiefen des Blau-Raums katapultiert mich im folgenden Kapitel der An-blick von Augen in ein
Hier und Jetzt. (PUBLIC AFFAIRS, 2014) Sie erklären mich unmittelbar zum Gegenüber und heben mir
ins Bewusstsein, dass ich mich sehend durch die Welt bewege und schon immer auch eine Gesehene
bin. Sehen und Gesehen-werden erzeugen sich in diesem Raum bis an die Grenze des Unbehagens, in
dem nicht nur die frühe Irritation Koliusis am fotografischen Setting, sondern auch die ganze
Fragwürdigkeit des von Webcams kontrollierten öffentlichen Raumes aufscheint. Da schafft der
schwärzende Balken in einem dieser Spiegelbilder (ici-BBC, 2017) auch nur bedingt Abhilfe, denn er
macht in der Tiefe der Schwärzung nur umso präsenter, dass hier ein Ungesehenes verborgen ist. Ein
Geheimnis von Sehen- und Gesehen-werden, das sich in den weiten Zonen der Erkenntnis zwischen
dem Augen-Blick eines Liebespaares bis zum Kontroll-Blick der Kamera, zwischen Offenbarung und
Zensur erstreckt. Wie beiläufig abgestellt findet sich in diesem Raum eine Insel des Lichtes. (Rosco´s
fun, Dein Schatten ist das Licht, 1986) Auf metallenen Ständern, wie Teppiche über der Stange
hängen hier reflektierende Gold- und Silberfolien, die in der kühle des Galerielichtes eine Lichtinsel
erzeugen. Sie können von außen betrachtet werden, aber auch im Dazwischen treten als
umfangende Lichtwände wirken. Beides, Innen wie Außen, erzeugen eine Ein-dringlichkeit, die im
Kontrast zu den blauen Tiefenräumen steht. Letztere begegnen in einer weiteren Dimension im
nächsten Kapitel. Der blaue Dot (fully covered 3, 2000) ist „Dichtes Blau“, ist „Blaumaterialität“. Er
gibt dem Raum einen Haltepunkt. In ihm scheint der Raum in einen anderen Aggregatzustand
überführt zu werden, zu kristallisieren. So gefestigt geht er dann auch ins Netz. (Monon Lave, 1993)
Unmerklich gleite ich vom realen Raum in eine Traumebene und poetische Bilder quellen aus dem
„Blaufang“ hervor.
So angereichert mit „Bildern“ wechsele ich in das letzte Kapitel der Ausstellung. Das Licht ist
abgedunkelt, ein Beamer schickt mit seinem Licht Bilder quer durch den im Raum stehenden, von
durchsichtiger Folie umgrenzten Quader an die gegenüberliegende Wand.(Do not disturb, 2012)
Filmsequenzen von Installationen im öffentlichen Raum – u. a. Denkmal der Euthanasie Opfer in
Berlin, Stuttgarter Unterführung, Raum der Stille Stuttgart- scheinen auf. Unsichtbar auf ihrem Weg
durch den Raum tauchen die Bilder auf der Wand auf. Lichtabspaltungen, erzeugt durch die
Lichtreflexion auf der Folie, tanzen in kristalliner Struktur über eine zweite Wand. Beides die
Bildsequenzen und die die kristallinen Licht/Farbabspaltungen lassen die Leere des Raumnukleus
deutlich hervortreten. Dieser Nukleus, diese Leere des Raumes ist das Material, das in der
Ausstellung in vielfältigen Dimensionen entfaltet wird. Jedes einzelne Werk veranlasst ein
Beziehungsgefüge, das in der Betrachtung in einem je besonderen Raum-Moment kulminiert. Jedes
Kunstwerk ist „nur“ das Vehikel, nur ein (Hand) Augenwerkzeug, das Raum, mit Hilfe von Blau und
Licht, als eine Ausdehnung öffnet, die die Funktionalität von gemessenen Raumdimensionen
übersteigt. Die darin angelegte Potenz von Überschreitung (wie auch immer der Einzelne sie einer

Sinndimension einschreibt) ermöglicht Koliusis im öffentlichen Raum den Raum als Bedeutungsträger
in immer wieder neuer und überraschender Weise zu thematisieren. Nie geht es dabei um die ein
oder andere Interpretation eines Raumes, vielmehr strukturieren die Werke die Wahrnehmung auf
überraschende Weise neu, so dass festgefügt „Ansichten“ irritiert werden, sogar aufgelöst werden,
Neues sichtbar wird.
Blau ist dabei der bestandhabende Parameter, der das Grundthema der „Weitung“ in alle Bezüge
hinein trägt. Bei allem strukturellen Denken in Raumgefügen und Bedeutungszusammenhängen ist es
schlussendlich eine besondere Form einer nüchternen Poesie, die der Enge eine Weite, oder doch
zumindest eine Ausdehnung hinzufügt. Der innere Auftrag eines jeden Kunstwerks, der Welt eine
Sicht hinzuzufügen (nicht sie zu wiederholen) löst sich von Installation zu Installation immer wieder
aufs Neue ein. Und so entsteht das scheinbare Paradoxon, dass die künstlerischen Mittel Koliusis
schnell genannt sind, ihre jeweilige Anwendung aber immer wieder die Neueinstellung des Blicks/
der anschaulichen Haltung fordert. In diesem Sinne ist jedes Werk Neuland und die Ausstellung im
DKM eine Einübung die eigene Anschauung über ihre inneren Grenzen hinauswachsen zu lassen.


Susanne Ließegang im November 2017

Dr. Susanne Ließegang

 

Nikolaus Koliusis, Blaubeziehung, Museum DKM Duisburg

October 13, 2017 – January 9, 2018
Beyond all Anecdotes

 

The actual artistic work of Nikolaus Koliusis, who was a highly successful photographer at the beginning of the 1980s, commenced when he began to distrust his medium. For one thing, there was a clear uneasiness about the photo shooting situation, which is characterized by a shift in the boundaries of shame, making this shift the norm. Far too close, far too direct does the photographer face his counterpart—hidden behind and legitimized by the camera—all the while disregarding the social rules of distance. More substantial, however, was the decision to use photography under modified conditions, since the fundamental experience under which photography produces an image does not necessarily transport the photographed moment’s authenticity. The experienced magic and intimacy of one of the Stuttgart State Ballet’s rehearsals created an apprehension of the photographed image that could have only been disappointing. Captured on film, it remained undeveloped, and it disappeared into the depths of the archive. Thus, at the beginning of his artistic work stands a kind of iconoclasm, a denial of the image combined with the fascination for the authenticity of the experienced moment.

 

If the gaze and image are kept away from photographic work, then what remains from that medium? Nikolaus Koliusis dismantled the camera, and ended up with the transparent “ground glass” in his hands (Mattscheibe, 1980). This was the “place” where images originate. Without looking he held this ground glass as a membrane in this world, where space and light are captured. The ground glass mutated into a foil, a familiar material from photo shooting. The architecture, the human-made functional space that the young photographer Koliusis was onto, which he had learned to photographically capture, remained his frame of reference. Interventions apply for him to this day. Since then, transparency and reflection, concealment and layering have engendered his “view” of the world.
The exhibition at the DKM shows the playful ease with which Koliusis, over the past decades, has held this membrane to the world to encounter space under repeatedly new aspects and interpretative contexts. At an early stage, the color blue joined the membrane. When entering the exhibition rooms in the DKM, a blue dot (fully covered, 3, 2000) glows from a distance, a target that opens the view into an infinite distance, and immediately and indisputably hints at that the enclosed space in the museum is not the measure of all things. In the museum’s sequence of rooms, like in a book, chapter by chapter, room by room, this measure is adjusted anew with “space” and light.

As a prelude, in a salon-style hang, the “image” widens the space, adds to it in varying horizontal format sizes, horizons and defined spaces (Pleasure is on all sides, 2007). The image offers layered depths (Double Rosco No.2, 1995) and lets the blue enter the room as a free and shapeless intrinsic value (Blow up, 1990). If in this first chapter everything is committed to the play between the artistic starting point surface (image) and the “source color” blue, then the next chapter is dedicated to space. A big blue foil (blue box, 2017) swings in one open U-shape freely in space. It creates an interior and an exterior and sets the room in motion. Beyond measurement and independent of a boundary, space here originates as a quality from the void. Like a ship’s propeller whirling up water, here space swirls. In contemporary physics, these two coordinates, time and space, combine in movement and constitute themselves in their relativity. I start to swing in the room and, at the same time, the film surrounds me like a coat or like a protective arm. I become a dancer in the space, led by the foil. Only when I let myself be moved does the dance of the space begins. When dancing around the film, my gaze falls onto a round mirror disk (BS, 2010) and catapults me from the free oscillation into a here and now of the counterpart. My reflection—me here, you there—creates spontaneous positionings. My moment of standing becomes the point in space, which immediately loses its coordinates in the mirror’s opposite, because the curve of the mirror surface also denies the positioning in the boxed space. In front of a third wall, I encounter two transparent blue foil pictures with black outlines hanging freely from the ceiling in the room (Blauraum, 2017). In the room, the foil here is folded in the form of a “U,” into a flat plane and mutated to a flat body—an image. The folding of the film creates a layering that consciously emphasizes that images (the reduction to the surface) have an independent quality, which adds a “further” level to the real space. The looking through of the blue plane opens up a space which lies beyond the space-time dimension of the “U.” Its quality arises from the calmness of standing in front of the object and the indefinable depth of the “blue space,” which, in turn, connects with the surrounding space. The image adds, to the empty room, a static segment of space, qualified in blue.

 

In the following chapter, the view of the eyes catapults me into a here and now from the depths of the blue room (PUBLIC AFFAIRS, 2014). They directly declare me to be the counterpart and raise my awareness that I am moving around the world seeing and also one who has always been seen. Seeing and being seen in this space creates an element bordering on discomfort, from which not only Koliusis’s early irritation with the photographic setting emerged, but also the entire dubiousness of public spaces being controlled by webcams.

The blackened strip in one of these reflections (ici BBC, 2017) produces relief here only partly since it makes it more evident that here, in the depth of the darkness, something unseen is hidden. A mystery of seeing and being seen, which extends to the wide zones of cognition, occurs between the blink of an eye of a loving couple to the control-eye of the camera, and between revelation and censorship. In this room, there is an island of light, as if incidentally set aside (Rosco’s fun, Dein Schatten ist das Licht, 1986). Reflecting gold and silver foils on metal stands, like carpets hanging over a rod, create an island of light in the cool of the gallery’s lighting. They can be viewed from the outside, but they can also act as circumferential walls of light when stepping in-between. Both inside as well as outside create an urgency that contrasts with the blue depths. We encounter the latter in another dimension in the next chapter. The blue dot (fully covered 3, 2000) is “dense blue,” it is “blue materiality.” It gives the room a point of stability. In it, the space seems to be transformed into another state of aggregation to crystallize. Thus fixated, it then goes into the net (Monon Lave, 1993). Imperceptibly, I slip from the real space into a dream level, and poetic images well up from the “haul of blue.”

 

Thus enriched with “images” I switch to the last chapter of the exhibition. The light is dimmed, a beamer transmits to the opposite wall (Do not disturb, 2012), with its light images across the cuboid defined by transparent film that stands in the room. Film sequences of installations appear in the public space—for instance, the memorial for victims of the National Socialist euthanasia laws in Berlin, a Stuttgart underpass, the “Room of Silence” in Stuttgart. Invisible on their way through the room, the images appear on the wall. Light separations, produced by the light reflection on the film, dance in a crystalline structure over a second wall. Both the image sequences and the crystalline color separations clearly highlight the emptiness of the room’s nucleus. This nucleus, this emptiness of the space, is the material explored in the exhibition in manifold dimensions. Each individual work initiates a structure of relationships, each culminating in the consideration of a particular space-moment. Each artwork is “only” the vehicle, only a(n) (hand-) eye tool that opens space, with the help of blue and light, as an extension that exceeds the functionality of measured spatial dimensions. The power of transgression created within (whatever the individual inscribes it into a dimension of sense) enables Koliusis to thematize space as a signifier of meaning in repeatedly new and surprising ways in the public space. It is never about one or the other interpretation of a space. Instead, the works restructure perceptions in a surprising way so that “views” are irritated in a fixed way, even dissolved, and new things become visible.

 

Blue is thereby the enduring parameter that carries the basic theme of the “expansion” into all references. In all structural thinking, in spatial structures, and in contexts of meaning, it is ultimately a particular form of prosaic poetry that adds vastness to the narrowness, or at least an extension. The inner mission of each work of art to add a view to the world (not to repeat it), converts time and again to the new, from installation to installation. And thus originates the ostensible paradox that Koliusis’s artistic means are quickly mentioned, but their respective application postulates repeatedly a new adjustment of the gaze, of the ostensive attitude. In this sense, every work is new territory and the exhibition at the DKM is a rehearsal in letting one’s own view expand beyond its inner limits.

 

Dr. Susanne Ließegang, November 2017

Translation from the German: Dr. Bhesham Sharma and Alix Sharma-Weigold

 

 

 

Nikolaus Koliusis, BLAUBEZIEHUNG

EINFÜHRUNG
Prof. Dr. Frank Druffner, Kulturstiftung der Länder

Eröffnungsrede Frank Druffner
Vielen Dank, auch von meiner Seite. Herzlich willkommen heute Abend, hier zu einer Ausstellung, die mich sehr berührt, weil Niko, mein Vorredner und ich alle ungefähr gleich lang miteinander in Beziehung stehen. Beziehung ist das große Thema dieses Abends, neben einigen anderen Begriffen. Es ist ganz toll, dass ich derjenige bin, der die große erste Werkschau von Niko, ich will nicht sagen eröffnen, aber den Auftakt dazu geben, darf.

Wir haben gerade im Vorfeld kurz privat über den Stellenwert von Kultur im Bundestagswahlkampf gesprochen, der gegen Null tendierte und waren uns einig, dass, wenn es keine Häuser wie diese[s] gäbe, es mit der Kultur anders bestellt wäre, in unserem Land, deutlich anders. Eine Ausstellung oder Ausstellungen wie sie hier stattfinden, in einem Privatmuseum, müssen Sie in öffentlichen Häusern lange suchen, heutzutage. Das hängt an vielen Gründen, darauf möchte ich nicht eingehen, unsere tägliche Arbeit ist ja die Förderpraxis, aber glauben Sie mir, ich weiß wovon ich spreche, und ich weiß auch, wovon ich spreche, wenn ich von privatem, bürgerschaftlichem Engagement auf dem Feld der Kultur rede. Deshalb mein ganz großer Dank an das Ehepaar DKM, wenn ich so sagen darf, auch für die Einladung.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es geht heute Abend um Kunst, der ich, wie gesagt, schon in den achtziger Jahren begegnet bin, in Stuttgart, im Zusammenhang mit meinem Studium. Denn, ich muss sagen, obwohl ich Kunstgeschichte studiert habe, ging man damals doch auch in Galerien. Das war nicht selbstverständlich. Kunsthistoriker waren da immer sehr geneigt, deutlich abzugrenzen zwischen dem hehren Stoff der Seminare und Vorlesungen und dem, was, in der freien Szene gewissermaßen, sich abspielt. Bei uns war das etwas anders, durch den glücklichen Umstand, dass im Studium bei uns die Künstler von der Akademie deutlich präsent waren und unsere Kurse mithörten und wir dadurch ein sehr waches Bewusstsein für gegenwärtige Tendenzen entwickelten. Aber ich glaube, ich kann behaupten, eines der ersten Ateliers, das ich sehen durfte, war Nikos. Ich weiß nicht mehr, Mozartplatz, war das, Mozartstraße? Ich weiß es nicht mehr, also irgendwo im Zentrum. Auf jeden Fall Mitte der achtziger Jahre. Daher rührt unsere Beziehung, die immer wieder ruhte, über längere Strecken, beruflich bedingt. Als ich dann Ende 2014 nach Berlin ging, um meine jetzige Stelle anzutreten, bin ich aber erfreulicherweise sofort, mitten in Berlin, wiederum Niko begegnet mit einem Werk, das mich sofort wieder zurück warf in die Zeit in Stuttgart, weil ich dort eben die ersten direkten Berührungen mit seiner Kunst hatte.

Niko geht es – jeder Kunsthistoriker würde jetzt anders anfangen, da würden jetzt große Ausführungen über Das Blaue in der Kunstgeschichte, vermutlich, folgen, darauf verzichte ich – Niko hat einmal seine ganze spezielle, und da sind wir schon beim Ausstellungstitel, Beziehung zu Blau in Worte gefasst, Zitat: „Blau ist die Farbe der Ferne, des Himmels, des weiten Meeres. In der klassischen Malerei verblaut der Hintergrund und suggeriert so den Filter der Atmosphäre, der sich über die Ferne legt.“ Zitat Ende. Mit diesen sehr prägnanten Worten sind im Grunde die drei großen Säulen, die uns auch heute in der Ausstellung begleiten und begegnen werden, festgemacht. Es ist der Raum, der ihn interessiert, es ist das Filtern und damit in Zusammenhang stehend, ganz unmittelbar, ist es das Licht. Diese drei Komponenten sind gewissermaßen sein Material. Sein Material ist also zunächst der Raum, und da kann ich Ihnen im Grunde nur aus meiner ganz persönlichen Erfahrung mit Werken von Niko kurz darlegen, wie er mit Außenraum umgeht. Innenraum sehen wir nachher ja noch sehr schön bestückt hier in der Ausstellung.

In Stuttgart entstand 2014 in einem Krankenhaus ein Raum von Niko, den er Raum der Stille nannte. Das ist ein unglaublich ästhetischer Rückzugsort in einer Klinik. Man kommt herein und wird umfangen von einer baulichen Struktur, in die, wie ein amorphes Gebilde, blaue Leuchtkästen, Fenster eingebaut sind, die den ganzen Raum in ein blaues, sehr angenehmes Licht tauchen. Überhaupt nicht kühl, überhaupt nicht kalt, sondern sehr behaglich, wenn man so möchte. Der Ansatz war, dass jedes Krankenhaus natürlich in der Regel Kapellen besitzt, aber nicht jeder Mensch in eine Kapelle möchte, wenn er Sorgen mit sich trägt; dass man einen Ort schafft, in diesem sehr lebendigen, sehr umtriebigen Klinik-Milieu, [der] Ruhe, meditative Komponenten, und auch Stärkung für sich selber erlaubt. Das ist in diesem Krankenhaus, glaube ich, auf einmalige Art und Weise gelungen. Und was mich da fasziniert ist tatsächlich, dass dieses Hoffnungsmoment, das Niko diesen Eintretenden mitgeben möchte, wenn sie dann wieder hinaus müssen auf ihre Zimmer und in die Behandlung, eben nicht am klischeehaften Grün, der Farbe der Hoffnung, festgemacht wird, sondern an einer genuin kühlen Farbe, die aber dennoch, ich weiß nicht, wodurch, durch seinen Eingriff, sich in ein ganz zartes, in ein ganz gefiltertes Blau verwandelt, das einen wirklich empfängt und aufnimmt. Diese Wirkung von Blau werden Sie hier verfolgen, wir bewegen uns hier ja gewissermaßen nicht an einem roten, sondern an einem blauen Faden durch die Ausstellung.

Und das Blau war es dann, das mich in Berlin, ebenfalls dann in einem Werk, das 2014 entstanden ist, wieder an Niko erinnerte und dann wurde auch der Kontakt wieder hergestellt. Er hat den Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Gesetze ausgeführt. Nun ist das ein schwieriges Thema, und der Ort war auch nicht einfach. Es ist nämlich in direkter Nachbarschaft zur Philharmonie. Dort stand das Haus, in dem eben unter dem Decknamen „T4“ der Mord an über 70.000 körperlich und geistig Behinderten Menschen in Deutschland vorbereitet wurde. Wie soll man um Gottes Willen neben Scharouns Philharmonie, einem architektonischen und vor allem akustischen Solitär, an solch einen Schrecken erinnern? Man hat sich auf ein ganz reduziertes Vorgehen geeinigt. Man hat ein Pult errichtet, auf dem die Geschichte dieser menschenverachtenden Aktion dokumentiert ist, 24 Meter lang, und Niko hat eine blaue Wand errichtet. Wenn Sie das vor Ort sehen, besuchen, gehen Sie zunächst einmal mit einem ziemlich erhabenen Gefühl auf das Werk zu, denn es ist einfach ästhetisch absolut gelungen und ansprechend in seiner ganzen Einfachheit, es wirkt und es passt. Wenn Sie sich dann aber mit dem Thema auseinander setzen, gewinnt diese Glaswand plötzlich eine ganz, ganz andere Bedeutung. Sie stellen nämlich fest, wenn Sie sich um dieses Pult bewegen, und dann zwischendurch mal aufblicken, dass allein schon diese Scheibe reicht, um eine Selektion vorzunehmen. Alles, was sich dahinter befindet, ist in unnatürliches Blau getaucht. Die Menschen sind ausgegrenzt und Sie selber natürlich auch, von der anderen Seite betrachtet. Das heißt, es braucht nicht viel, um mit ganz reduzierten Mitteln unglaublich viel im Betrachter auszulösen. Das, kann ich Ihnen versprechen, wird in dieser Ausstellung mit Ihnen gleich im Anschluss auch passieren. Also zwei Verfahren, im Krankenhaus und an einem Gedenkort, im Umgang mit Blau, die in ganz andere Richtungen zielen.

Es gibt natürlich in der Ausstellung jetzt vor allem die Werke, die für den Innenraum konzipiert sind. Aber Sie werden feststellen, dass sich die Prinzipien, diese drei Säulen, Licht, Raum und Filter, auch hier ganz zentral manifestieren. Sie können keines der Werke von Niko ungefiltert betrachten. Es ist immer das Spiel mit dem „durch-etwas-hindurch-schauen“. Was ist es, was ist das vom Material her? Es ist zunächst einmal, und das führt auf die Ausbildung von Niko zurück, Fotofolie, Filterfolie. Das ist ein Werkzeug, dem ist er in seiner Ausbildung zum Fotografen natürlich hinlänglich begegnet. Er benutzt diese Filterfolie aber eben nicht als Medium des fotografischen Prozesses, oder nicht nur, sondern er benutzt sie als genuines künstlerisches Material. Als Primärmaterial, mit dem er natürlich, wie gesagt, seit seiner Ausbildung vertraut ist, und die Folie ist natürlich eng verwandt mit anderen, dünnen, ähnlich funktionierenden Materialien wie dem Glas, oder dem verspiegelten Metall. Zwei weitere Komponenten, die in der Ausstellung auftreten werden.

Wenn man jetzt ganz beflissen sein möchte, könnte man schauen, woher denn eigentlich der Begriff Folie kommt. Der kommt aus dem Lateinischen von Folium, das war das Blatt des Baumes. Und in Ermangelung eines Begriffs für dünne, ganz dünne Materialien, setzte sich dieser Begriff Folium oder Folia im Laufe der Zeit durch für, eben, dünne Materialien. Sie kennen alle die mittelalterlichen Folianten, die eben aus zusammen gebundenen Folio-Seiten entstehen, und die mittelalterlichen Goldschmiede haben ganz dünne Goldfolien unter die Steine gelegt, die sie montiert haben, um deren inneren Glanz zu erleuchten. Also, Sie sehen schon, Folie hat etwas mit Licht, mit optischer Wirkung, zu tun. Es geht um Wahrnehmung, es geht letztlich auch, wenn wir an die Folianten denken, um das Lesen von Nikos Kunst. Die dünne Folie also, das Glas, das reflektierende Metall, entfalten in dieser Ausstellung ihr ganzes, breites, auf optischen Wirkungen basierendes Potential.

Das Davor, und das sind natürlich wir, als Betrachter, wird durch das Durchblicken, das Sich- Spiegeln, nicht nur in 1-zu-1-Form, sondern auch im Spiegeln nur in einem vorbei huschenden Farbton, das Davor also, aber auch das Dahinter, der Raum, eben die Raumfolie, wird durch Filterung und Reflexion, in der jeweiligen Wahrnehmung ganz eindeutig verändert. Man kann also das Sehen, Betrachten von zwei Seiten aus sehen, denn auch das Werk hat eine optische Funktion, das werden wir gleich noch einmal hören, wenn es um den Aufbau der Ausstellung geht. Von Anfang an hat sich Niko also auf Grund dieser Herkunft aus der Fotografie, die er aber nicht zufällig in einem Architekturbüro praktizierte, mit diesen Komponenten Raum, Licht und der Folie, beschäftigt. In einem Vorgespräch, und das war sehr aufschlussreich, hat Niko ganz beiläufig erwähnt, dass er eigentlich in der Ausstellung den Besucher zu einem „Spaziergang durch ein großes, aufgeschlagenes Skizzenbuch“ einladen möchte. Das fand ich ein total einleuchtendes Bild. Und, ich hab mir vorhin die Ausstellung angeschaut, es trifft zu hundert Prozent zu. Denn Sie sehen einen Überblick über sein Schaffen, eine wirkliche Werkschau, die im Grunde alle Formen der Auseinandersetzung mit diesen drei Komponenten dokumentiert. Es geht gar nicht um Gattungsbegriffe, es geht nicht um Installation, es geht nicht um Lichtkunst, und es geht auch nicht um Fertiges, Abgeschlossenes, sondern es geht um dieses Prozesshafte, was ihn interessiert und was er mit uns gewissermaßen still diskutieren möchte. Ein Spaziergang durch ein Skizzenbuch, klar, die Skizze ist etwas Hingeworfenes, ausprobierendes, Improvisiertes, erwartet uns also im Raum – Spaziergang kommt von spatium, der Raum –
da sind wir wieder beim Grundbegriff, und das Buch, in dem die Skizzen sich befinden, setzt sich zusammen aus Folios.

Niko zeigt uns, was er bislang in seinem künstlerischen Schaffen an diesen Begrifflichkeiten entlang entwickelt hat, und dass der Prozess seiner Auseinandersetzung eben nicht abgeschlossen ist, das belegt der Begriff der Skizze, des Improvisierten, Ergebnisoffenen und in gewisser Weise auch Spielerischen, das ist auch eine wichtige Komponente in seinen Arbeiten. Also was erwartet Sie jetzt beim Gang durch die Ausstellung? Zwischen der Ausstellung und Ihnen stehe jetzt nur noch ich. Ich will nicht mehr allzu lange Sie vom Genuss abhalten. Es erwartet uns, wie gesagt, in jedem Raum, ein aufgeschlagenes Skizzenbuch, dessen Einträge alle um dieses große Thema des Raums und seiner durch ästhetische Mittel veränderten Wahrnehmungen kreisen. Ich würde in dem Zusammenhang auch die Fotografie, aus der Niko kommt, lieber mit dem altmodischen Begriff der Lichtbildnerei in Verbindung bringen. Das passt ganz wunderbar, denn Sie werden sehen, auch das Licht wird zum Material, denn die Werke strahlen ihre Farbigkeit, ihre Intensität in den Raum ab, und verändern so wiederum die Raumhülle. Also wenn Sie in dieser wunderbaren Enfilade, diesen aufeinander ausgerichteten Räumen, einmal zurück blicken, dann sehen Sie, dass jeder Raum in einem anderen Weißton erscheint. Das liegt nicht an der Beleuchtung, sondern das liegt an den Werken, die die Beleuchtung verändert.

Wir werden, und das führt uns zurück zu seinen Werken im öffentlichen Raum, feststellen, dass ganz spezifisch die Werke von Niko, die er uns hier zeigt, mit einem vierten Begriff arbeiten. Nämlich dem Betrachter, ohne den geht es in diesem Fall nun wirklich gar nicht. Und zwar nicht nur als Betrachter – jedes Kunstwerk braucht einen Betrachter, das ist natürlich banal – aber seine Kunst braucht einen Partner. Einen Partner, der bereit ist, sich mit diesen Fragen, die er sich stellt, mit diesen Phänomenen, die er uns aufzeigt, mit diesen Wirkungen, die er erzeugt, auseinandersetzt. Das ist etwas Schönes, das kann ich Ihnen versprechen, und es ist etwas überaus Anregendes. Wir sind, glaube ich, zehn Minuten durchgelaufen und ich habe daraufhin mein Redekonzept gewissermaßen komplett verändert, weil der Eindruck so phänomenal war, dass er mich zu ganz anderen Überlegungen angeregt hat, als ich sie mir im Vorfeld gemacht habe. Wir gehen also in diese Ausstellung und Sie werden im ersten Raum schon einmal die Leitmotive sehen, die Niko durch sein Schaffen hindurch begleitet haben. Sie sehen ganz klein eine Wiedergabe von einer Konstruktionszeichnung von Linsen, einem optischen Instrument, das natürlich für die Erfassung, die Bündelung und die Weitergabe von Licht ganz zentral ist und in diesem ersten Raum wird Ihnen auch begegnen die großformatige Folie der Mattscheibe, also aus der Fotografie heraus genommen. Sie werden in der Blaubox feststellen, dass eine schwungvoll aufgehangene blaue Folie nicht nur den Raum verändert, nicht nur den in Schwingung versetzt, und nicht nur mit sich selbst spielt, indem durch Überlappungen, Überlagerungen, Fältelungen ein ganzes Spektrum von Blautönen erscheint – also von ganz einfachem Blau, im wahrsten Sinne des Wortes, bis zu dem verdreifachten Blau durch dreifache Überlagerung – sondern Sie werden auch sehen, dass wir anders sehen, wenn wir in diesen Schwung hineinschauen, oder wenn wir ihn von außen betrachten. Und behalten Sie dabei auch immer den Raum im Blick. Wie wird der Raum durch diese Werke verändert? Es kommt dann ein Raum, in dem verschiedene Techniken und Werke gezeigt werden, eines meiner Lieblingsstücke ist Alle meine Lieben, kleine aufgestellte blaue Scheiben, die wie ein Gruppenporträt der Familie Blau wirken, und in sich auch wieder, wie Filterscheiben, in ihrem kleinen Format, ganz großartige optische Wirkungen erzeugen. Das ist vom Ansatz her ein bißchen vergleichbar mit den blauen Glaskugeln, die auf einer Wand sitzen. Wenn Sie sich die anschauen werden Sie ganz schnell auf die gleiche Assoziation kommen wie ich. Das sind Schröpfköpfe, die der Wand das Blau entzogen haben, man kann es sich gar nicht anders vorstellen, das ist so überzeugend gelöst und sieht so fantastisch aus, dass es anders gar nicht sein kann. Diese Schröpfköpfe wurden der Wand aufgesetzt und sie haben das Blau heraus gezogen. Sie sehen Folien, die wie Karten im Unterricht auf Gestellen hängen, strukturierte Silber- und Goldfolien, die durch leichte schwingende Bewegungen, die jeder Besucher erzeugt, natürlich, durch seine Bewegung, das Licht blitzartig reflektieren, aber im Vorbeigehen natürlich auch Ihre Abspiegelung aufnehmen. Wie gesagt, nicht im 1-zu-1-Abbild, sondern in der Aufnahme des Inkarnats der Kleidung, der Kleidertöne, die verschwinden dann wieder. Also es sind Schautafeln gewissermaßen, Schautafeln optischer Bewegung, wenn sie so wollen. Demonstrationsobjekte, die natürlich nur existieren durch einen sich bewegenden Betrachter.
In einem vierten Raum, und das finde ich ein ganz besonders schönes Werk, werden Sie sehen, dass – Koliusis, der Name hat im Griechischen, das habe ich gerade noch nachgefragt, ich hab selber recherchiert, aber nichts gefunden, aus der Fischerei stammt – dass Niko auch unter die Fischer gegangen ist und zwar unter die Farbfischer, und natürlich Blau geangelt hat. Blau, das in einem Netz aufgefangen wurde, als ob er ein geronnenes Stück des tiefblauen Ozeans an Bord gezogen hätte oder als ob ihm eine Scheibe vom Himmel oder der Blue Moon eben nicht auf den Kopf, sondern ins Netz, gefallen wäre. Der Fischfang mit der Farbe Blau. Am Ende, das kannte ich gar nicht, das ist umwerfend, erwartet Sie im Raum ein kleiner Raum, der aus einem Gestänge besteht, dessen Wände Folien sind. Folien, die übereinander gelagert, gefaltet, ganz ähnlich wie die Arbeiten, die Sie gleich am Eingang sehen werden, diese Serie von gerahmten Folien, wirk[en]. Und durch diesen Raum von Folien, durch diese Kamera – die Fotografie entwickelt sich aus der Camera Obscura, hier könnte man im Grunde von der Camera Magnifica sprechen, die etwas verstärkt, nämlich die hindurch fallenden Lichtstrahlen – da wird durch einen Beamer gezeigt, seine Werke im öffentlichen Raum, also die Stücke, von denen ich vorhin sprach, und einige andere. Und durch dieses Brechen durch die Folien hindurch erscheint das auf eine Art und Weise sehr entfremdet, aber auch überaus ästhetisiert. Sie haben auf der einen Seite das erkennbare bewegte Motiv dieser Aufnahmen, Sie haben aber auf der anderen Seite, weil es ein vierseitiger Folienraum ist, eine Abstrahlung, die rein abstrakt wirkt, die wie huschende, tanzende Formen über die Wand gleitet. Ein ungeheuer tiefer Eindruck, freuen Sie sich darauf, gehen Sie ohne diese Blau-Allüren des Kunsthistorikers durch die Ausstellung.

Die Werke von Niko wollen keine Antworten liefern auf irgendwelche Fragen, sondern sie wollen anregen, und zwar wirklich im besten Sinne. Sie wollen anregen, durch ihr Spiel mit Licht, Schatten, Raum, und ihren Titeln, auch die Titel sind ein wichtiges Element. Wenn wir sagen, wir gehen in ein Skizzenbuch, dann kann ich nur empfehlen, nehmen Sie die Werke als Lektürestoff, als schweigsame und doch gleichzeitig beredsame Gesprächspartner, als Stimulanzien beim Sehen und Wahrnehmen. Die Werke sind nämlich nicht doch allein und vielleicht nicht einmal, so wie ich es jetzt suggeriert habe, in erster Linie auf die wichtigen Begriffe Raum, Licht, Folie bezogen, sondern ganz zentral auf Sie, als Spaziergänger und Betrachter. Blättern Sie in Nikos großem Skizzenbuch und erfreuen Sie sich an einer dialogischen, überaus ästhetischen Kunst, die ganz fest mit Ihnen als sensitivem Partner rechnet. Vielen Dank Niko, für die tolle Ausstellung und einen anregenden Kunstgenuss uns allen.

 

NIKOLAUS KOLIUSIS
BESONDERER RAUM / BRIEFE
im Hospiz St. Vincent

Presse Text Koliusis
Do 14.09.2017 6:26

Es ist uns ein Raum gelungen
der den Menschen mit Blauem ummantelt, ihn rundum hüllt und derart zentriert, so dass sich die Gäste in einer tatsächlichen Mitte fühlen.
Und zugleich, und das ist das Besondere, lösen sich im Blauen erleben, die Grenzen auf.
Wir haben ihn „besonderen Raum“ genannt.
Im Vorraum, als Ankündigung kommen die vielen Helfenden dieses Hospizes zu Wort. Sie haben ihre Gedanken formuliert, ich habe dies in Bilder transformiert, die sich überlagern, die durchsichtig und folienhaft sind wie das Blaue.
Wir haben diese drei Arbeiten „Briefe“ genannt.
Es ist die Einladung der Kunst Gefühlen freien Lauf zu bieten, um fern der Logik, das Bemühen der täglich Handelnden zu unterstützen.
Ich danke dem Förderkreis St. Vincent, dass er mir die Chance gegeben hat mit dieser Aufgabe und der damit verbundene grossen Verantwortung zu reifen.
Nikolaus Koliusis
14.09.2017
Zu den Tagen der offenen Tür
Besonderer Raum
4-teilig, je 134 x 170 cm
Transparente Folie, Glas, frei hängend, Wandabstand 12 cm
Briefe
3-teilig, je 170 x 80 cm Transparente Folie, bedruckt, Glas

NIKOLAUS KOLIUSIS
Pantheon
2015, Filterfolie blau, Glas, 180 cm x 220 cm.
Das Pantheon in Rom ist eines der ersten Betonbauten der Weltgeschichte.
Was diesen Versammlungsraum über seine wunderbaren Proportionen hinaus so einmalig macht, ist jene großartige Öffnung, die ganz im Widerspruch zu dem steht, was wir von einem Innenraum erwarten.
Diese zum Himmel ausgerichtet runde Öffnung verstehe ich als Aufforderung, sich mit der größtmöglichen Dimension eines gemeinsamen Raum auseinanderzusetzten.
Heute sprechen wir vom öffentlichen Raum und meinen im
besten Fall mehr als das Umbaute.
Beobachten wir den Rand dieser Öffnung, so erleben wir, wie sich dort das Licht in besonderer Weise selbst reflektiert, bevor es in das Innere des Raum einfließt, um diesen dann zu erhellen.

Museum DKM
Stiftung DKM | Güntherstraße 13-15 | 47051 Duisburg
T: +49.203.9355547 0 | F: +49.203.9355547 99 | mail@museum-dkm.de | www.museum-dkm.de | Skype: museum-dkm

Pressemitteilung
Blau
Nikolaus Koliusis
11.06.–28.08.2016
Pressekonferenz: Museum DKM | Güntherstraße 13-15 | 47051 Duisburg
Mittwoch, 15.06.2016, 12 Uhr
Der Künstler ist anwesend.
Nikolaus Koliusis, der 1953 in Salzburg geborene und in Stuttgart lebende Künstler, ist durch seine
Installationen aus blauen Fotofilterfolien international bekannt geworden. Blau, lautet auch der Titel
des neu eingerichteten Künstlerraumes im Museum DKM.
Nikolaus Koliusis ist ein langjähriger Freund und Wegbegleiter der Museumsgründer Dirk Krämer und
Klaus Maas. Der Künstlerraum mit Arbeiten des Stuttgarter Künstlers ist als Vorbote für eine große
Einzelpräsentation im Frühjahr 2017 mit dem Titel Der öffentliche Raum zu verstehen. Auch die
Installation Gastspiegelungen von Nikolaus Koliusis hat sich bereits wie selbstverständlich in der
Dauerausstellung ihren Raum gesucht. Im Gegensatz zum neuen Künstlerraum befindet sich seit
langem eine Fotoarbeit von Nikolaus Koliusis im Museum DKM, die gänzlich ohne Blautöne
auskommt. RUMI, 1984, stellt ein Gleichnis des persischen Gelehrten, das sich auf die
Kunstproduktion bezieht, einer Arbeit Koliusis‘ gegenüber, die weniger eine eigene Darstellung bietet,
sondern vielmehr mit den Erwartungen der Betrachter spielt.
Bereits zur Eröffnung des im Duisburger Innenhafen gelegenen Garten der Erinnerung von Dani
Karavan im Sommer 1999 wurde die Baustelle der zukünftigen Galerie DKM mit einer Installation von
Nikolaus Koliusis, under construction (1), bespielt. Folgerichtig wurde die Galerie im Dezember 1999
mit der Ausstellung under construction (2) eröffnet.
10 Jahre später positionierte Nikolaus Koliusis vor und in der Galerie DKM zwei blau leuchtende
Riegel, einen in luftiger Höhe im Außenraum der Galerie DKM und einen weiteren im
Ausstellungsraum. Mit der Ausstellung Do come in lenkte Nikolaus Koliusis die Aufmerksamkeit der
Betrachter auf die bekannte Raumsituation am Innenhafen und wies den Weg in die Galerie DKM.
In der jetzigen Konstellation lockt erneut weithin strahlendes Blau die Besucher hinein in eine erst
langsam ihre Wirkung entfaltende Sphäre. Der Raum fordert die Besucher zur Reflexion im doppelten
Sinne heraus: einer Auseinandersetzung mit den vielfältigen Assoziationen, die das dargestellte
Farbspektrum eröffnet, und mit der Gleichzeitigkeit von An- und Durchschauen, die seine Werke
kennzeichnet.
Museum DKM
Kontakt
Pressekontakt: Sarah Kraschewski M.A.
T +49.203.9355547 0 | F +49.203.9355547 99
mail@museum-dkm.de | www.museum-dkm.de
Ausstellungsort: Museum DKM | Güntherstraße 13-15 | 47051 Duisburg


#1 Frank Druffner über das Werk von Nikolaus Koliusis

Nikolaus Koliusis ist ausgebildeter Fotograf. Er hat als solcher jahrelang in einem internationalen Architekturbüro gearbeitet. Beide Aspekte sind für sein Werk von Bedeutung. Sie erklären sowohl das große Sensorium des Künstlers Koliusis für optische Phänomene und sein Gespür für Raumsituationen, auf die seine Werke subtil reagieren.

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In Stuttgart, der Stadt, in der ich Niko vor ungefähr dreißig Jahren zum ersten Mal begegnet bin, entstand zuletzt sein „Raum der Stille“: ein wunderbar ästhetischer Rückzugsort im Olga-Krankenhaus, gehalten in einem gar nicht kühlen oder unwirtlichen Blau, das den Eintretenden umfängt. Die Farbe unseres Planeten, die Farbe der Romantik nimmt Kranke, Angehörige, Verzweifelte auf, wirft sie auf sich selbst zurück und soll ihnen dadurch Kraft und Mut geben, sich zu sammeln und zu konzentrieren, um gewappnet zu sein für den Rückweg in den Klinikbetrieb. Der großartige Lichtraum, dessen Wandstrukturen Assoziationen an bildgebende Verfahren der Medizintechnik auslöst, zeigt das meditative Potenzial von Beleuchtungsinszenierungen.

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In Berlin, der Stadt, in der wir uns nach längerem wiederbegegneten, befindet sich seit vergangenem Jahr ein weiteres Hauptwerk Koliusis‘, und wieder ist die prägende Farbe Blau. Der Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde, in nächster Nachbarschaft zur Philharmonie gelegen, bezwingt durch seine überwältigende Einfachheit. Abgesetzt von einem lesefreundlichen Pult mit einer minimalistischen Ausstellung zum Thema der menschenverachtenden Selektionspolitik erhebt sich eine 24 Meter lange, blaue Glaswand. Wer vor oder hinter ihr steht, wird ausgegrenzt – zufällig, wahllos, nur durch das Diktat des transparenten Materials. Durch das Blau ist man plötzlich ein Unnatürlicher, Markierter, auch wenn die Farbe ganz harmlos an den Himmel erinnert.

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Der Himmel: er spielt auch in einem älteren Werk von Koliusis, ebenfalls in Berlin, eine zentrale Rolle. 1995 entstand auf dem Dahlemer St. Annenfriedhof ein Mahnmal in Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Wahl des Standorts war dadurch begründet, dass die Gemeinde der dortigen Kirche unter Martin Niemöller zum Zentrum der Bekennenden Kirche und somit zum kirchlichen Widerstand gegen die Diktatur geworden war.

Koliusis nutzte eine dreieckige Zwickelfläche zwischen den Grabreihen, um auf drei Stützen eine ebenfalls dreieckige Stahlplatte anzubringen – die Form sollte bewusst an die stigmatisierenden Winkel-Kennzeichnungen des nationalsozialistischen Ausgrenzungs- und Lagersystems verweisen. Eingeschnitten in die Platte wurde mit einem Wasserstrahl die Mahninschrift. Widerstand, so Koliusis, formiere sich im Kopf, und deshalb sollten die Worte in die Höhe und gleichsam in den Himmel geschrieben werden. Er ist nur lesbar, wenn es hell und klar ist – und wenn der Friedhofsbesucher seinen Blick vom Grab empor richtet.

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Nun, 20 Jahre nach der Einweihung des Dahlemer Mahnmals, steht die Sanierung des Martin-Niemöller-Hauses auf der Agenda der Kirchengemeinde. Nikolaus Koliusis unterstützt das Vorhaben durch eine Benefiz-Aktion: er hat den Text des Mahnzeichens fotografiert und nach dem Zufallsprinzip fragmentiert. Auf diese Weise entstanden zwölf unikale Metalldrucke im DIN A4 Format – in einer Technik, die im digitalen Zeitalter an die Anfänge der Fotografie erinnert. Denn das vergrößerte Bild wurde, ähnlich wie bei der Daguerrotypie, direkt auf die Metallplatte aufgebracht. Das hat den erwünschten Nebeneffekt, dass jeder, der ein Exemplar dieser Erinnerungszeichen erwirbt, sich bei dessen Betrachtung selbst darin spiegelt. „Spiegele Dich im Licht von 1995“ – mit diesen einfachen Worten umschreibt Koliusis das Spiel mit der Erinnerung. Das Bild weist zurück auf den Dahlemer Friedhof, auf den dortigen Erinnerungs- und Lernort und wird zu einem reflektierenden und reflektierten Baustein für die Sanierung eines weiteren solchen Ortes.

> Link zur 151018_Spiegele dich im Licht.._Broschüre (2015)


 

#2 Stefan Nägele zu Public Affairs
06.08.2015
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Ein Kunstprojekt über die Drittwirkung
der Kunst
der Menschen
und unserer Arbeit


 

#3 Uwe Ebbinghaus, FAZ 26.07.2015
„…plötzlich….wenn die Realität…durch den klärenden Farbfilter einer verschüttet geglaubten Wahrheit sichtbar wird.“


 

#4 Jan Rinke
Nikolaus Koliusis erforscht mit seinen Arbeiten das Licht und seine Wahrnehmung im Sehen.
Seine experimentellen Veränderungen von Räumen kreieren neue Orte.