Texte Statements 2017

NIKOLAUS KOLIUSIS
Pantheon
2015, Filterfolie blau, Glas, 180 cm x 220 cm.
Das Pantheon in Rom ist eines der ersten Betonbauten der Weltgeschichte.
Was diesen Versammlungsraum über seine wunderbaren Proportionen hinaus so einmalig macht, ist jene großartige Öffnung, die ganz im Widerspruch zu dem steht, was wir von einem Innenraum erwarten.
Diese zum Himmel ausgerichtet runde Öffnung verstehe ich als Aufforderung, sich mit der größtmöglichen Dimension eines gemeinsamen Raum auseinanderzusetzten.
Heute sprechen wir vom öffentlichen Raum und meinen im
besten Fall mehr als das Umbaute.
Beobachten wir den Rand dieser Öffnung, so erleben wir, wie sich dort das Licht in besonderer Weise selbst reflektiert, bevor es in das Innere des Raum einfließt, um diesen dann zu erhellen.

Museum DKM
Stiftung DKM | Güntherstraße 13-15 | 47051 Duisburg
T: +49.203.9355547 0 | F: +49.203.9355547 99 | mail@museum-dkm.de | www.museum-dkm.de | Skype: museum-dkm

Pressemitteilung
Blau
Nikolaus Koliusis
11.06.–28.08.2016
Pressekonferenz: Museum DKM | Güntherstraße 13-15 | 47051 Duisburg
Mittwoch, 15.06.2016, 12 Uhr
Der Künstler ist anwesend.
Nikolaus Koliusis, der 1953 in Salzburg geborene und in Stuttgart lebende Künstler, ist durch seine
Installationen aus blauen Fotofilterfolien international bekannt geworden. Blau, lautet auch der Titel
des neu eingerichteten Künstlerraumes im Museum DKM.
Nikolaus Koliusis ist ein langjähriger Freund und Wegbegleiter der Museumsgründer Dirk Krämer und
Klaus Maas. Der Künstlerraum mit Arbeiten des Stuttgarter Künstlers ist als Vorbote für eine große
Einzelpräsentation im Frühjahr 2017 mit dem Titel Der öffentliche Raum zu verstehen. Auch die
Installation Gastspiegelungen von Nikolaus Koliusis hat sich bereits wie selbstverständlich in der
Dauerausstellung ihren Raum gesucht. Im Gegensatz zum neuen Künstlerraum befindet sich seit
langem eine Fotoarbeit von Nikolaus Koliusis im Museum DKM, die gänzlich ohne Blautöne
auskommt. RUMI, 1984, stellt ein Gleichnis des persischen Gelehrten, das sich auf die
Kunstproduktion bezieht, einer Arbeit Koliusis‘ gegenüber, die weniger eine eigene Darstellung bietet,
sondern vielmehr mit den Erwartungen der Betrachter spielt.
Bereits zur Eröffnung des im Duisburger Innenhafen gelegenen Garten der Erinnerung von Dani
Karavan im Sommer 1999 wurde die Baustelle der zukünftigen Galerie DKM mit einer Installation von
Nikolaus Koliusis, under construction (1), bespielt. Folgerichtig wurde die Galerie im Dezember 1999
mit der Ausstellung under construction (2) eröffnet.
10 Jahre später positionierte Nikolaus Koliusis vor und in der Galerie DKM zwei blau leuchtende
Riegel, einen in luftiger Höhe im Außenraum der Galerie DKM und einen weiteren im
Ausstellungsraum. Mit der Ausstellung Do come in lenkte Nikolaus Koliusis die Aufmerksamkeit der
Betrachter auf die bekannte Raumsituation am Innenhafen und wies den Weg in die Galerie DKM.
In der jetzigen Konstellation lockt erneut weithin strahlendes Blau die Besucher hinein in eine erst
langsam ihre Wirkung entfaltende Sphäre. Der Raum fordert die Besucher zur Reflexion im doppelten
Sinne heraus: einer Auseinandersetzung mit den vielfältigen Assoziationen, die das dargestellte
Farbspektrum eröffnet, und mit der Gleichzeitigkeit von An- und Durchschauen, die seine Werke
kennzeichnet.
Museum DKM
Kontakt
Pressekontakt: Sarah Kraschewski M.A.
T +49.203.9355547 0 | F +49.203.9355547 99
mail@museum-dkm.de | www.museum-dkm.de
Ausstellungsort: Museum DKM | Güntherstraße 13-15 | 47051 Duisburg


#1 Frank Druffner über das Werk von Nikolaus Koliusis

Nikolaus Koliusis ist ausgebildeter Fotograf. Er hat als solcher jahrelang in einem internationalen Architekturbüro gearbeitet. Beide Aspekte sind für sein Werk von Bedeutung. Sie erklären sowohl das große Sensorium des Künstlers Koliusis für optische Phänomene und sein Gespür für Raumsituationen, auf die seine Werke subtil reagieren.

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In Stuttgart, der Stadt, in der ich Niko vor ungefähr dreißig Jahren zum ersten Mal begegnet bin, entstand zuletzt sein „Raum der Stille“: ein wunderbar ästhetischer Rückzugsort im Olga-Krankenhaus, gehalten in einem gar nicht kühlen oder unwirtlichen Blau, das den Eintretenden umfängt. Die Farbe unseres Planeten, die Farbe der Romantik nimmt Kranke, Angehörige, Verzweifelte auf, wirft sie auf sich selbst zurück und soll ihnen dadurch Kraft und Mut geben, sich zu sammeln und zu konzentrieren, um gewappnet zu sein für den Rückweg in den Klinikbetrieb. Der großartige Lichtraum, dessen Wandstrukturen Assoziationen an bildgebende Verfahren der Medizintechnik auslöst, zeigt das meditative Potenzial von Beleuchtungsinszenierungen.

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In Berlin, der Stadt, in der wir uns nach längerem wiederbegegneten, befindet sich seit vergangenem Jahr ein weiteres Hauptwerk Koliusis‘, und wieder ist die prägende Farbe Blau. Der Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde, in nächster Nachbarschaft zur Philharmonie gelegen, bezwingt durch seine überwältigende Einfachheit. Abgesetzt von einem lesefreundlichen Pult mit einer minimalistischen Ausstellung zum Thema der menschenverachtenden Selektionspolitik erhebt sich eine 24 Meter lange, blaue Glaswand. Wer vor oder hinter ihr steht, wird ausgegrenzt – zufällig, wahllos, nur durch das Diktat des transparenten Materials. Durch das Blau ist man plötzlich ein Unnatürlicher, Markierter, auch wenn die Farbe ganz harmlos an den Himmel erinnert.

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Der Himmel: er spielt auch in einem älteren Werk von Koliusis, ebenfalls in Berlin, eine zentrale Rolle. 1995 entstand auf dem Dahlemer St. Annenfriedhof ein Mahnmal in Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Wahl des Standorts war dadurch begründet, dass die Gemeinde der dortigen Kirche unter Martin Niemöller zum Zentrum der Bekennenden Kirche und somit zum kirchlichen Widerstand gegen die Diktatur geworden war.

Koliusis nutzte eine dreieckige Zwickelfläche zwischen den Grabreihen, um auf drei Stützen eine ebenfalls dreieckige Stahlplatte anzubringen – die Form sollte bewusst an die stigmatisierenden Winkel-Kennzeichnungen des nationalsozialistischen Ausgrenzungs- und Lagersystems verweisen. Eingeschnitten in die Platte wurde mit einem Wasserstrahl die Mahninschrift. Widerstand, so Koliusis, formiere sich im Kopf, und deshalb sollten die Worte in die Höhe und gleichsam in den Himmel geschrieben werden. Er ist nur lesbar, wenn es hell und klar ist – und wenn der Friedhofsbesucher seinen Blick vom Grab empor richtet.

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Nun, 20 Jahre nach der Einweihung des Dahlemer Mahnmals, steht die Sanierung des Martin-Niemöller-Hauses auf der Agenda der Kirchengemeinde. Nikolaus Koliusis unterstützt das Vorhaben durch eine Benefiz-Aktion: er hat den Text des Mahnzeichens fotografiert und nach dem Zufallsprinzip fragmentiert. Auf diese Weise entstanden zwölf unikale Metalldrucke im DIN A4 Format – in einer Technik, die im digitalen Zeitalter an die Anfänge der Fotografie erinnert. Denn das vergrößerte Bild wurde, ähnlich wie bei der Daguerrotypie, direkt auf die Metallplatte aufgebracht. Das hat den erwünschten Nebeneffekt, dass jeder, der ein Exemplar dieser Erinnerungszeichen erwirbt, sich bei dessen Betrachtung selbst darin spiegelt. „Spiegele Dich im Licht von 1995“ – mit diesen einfachen Worten umschreibt Koliusis das Spiel mit der Erinnerung. Das Bild weist zurück auf den Dahlemer Friedhof, auf den dortigen Erinnerungs- und Lernort und wird zu einem reflektierenden und reflektierten Baustein für die Sanierung eines weiteren solchen Ortes.

> Link zur 151018_Spiegele dich im Licht.._Broschüre (2015)


 

#2 Stefan Nägele zu Public Affairs
06.08.2015
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Ein Kunstprojekt über die Drittwirkung
der Kunst
der Menschen
und unserer Arbeit


 

#3 Uwe Ebbinghaus, FAZ 26.07.2015
„…plötzlich….wenn die Realität…durch den klärenden Farbfilter einer verschüttet geglaubten Wahrheit sichtbar wird.“


 

#4 Jan Rinke
Nikolaus Koliusis erforscht mit seinen Arbeiten das Licht und seine Wahrnehmung im Sehen.
Seine experimentellen Veränderungen von Räumen kreieren neue Orte.