Museum DKM, Nikolaus Koliusis, BLAUBEZIEHUNG, Duisburg



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Museum DKM Duisburg
14.10.2017 – 07.01.2018

Nikolaus Koliusis, BLAUBEZIEHUNG

EINFÜHRUNG
Prof. Dr. Frank Druffner, Kulturstiftung der Länder

Eröffnungsrede Frank Druffner
Vielen Dank, auch von meiner Seite. Herzlich willkommen heute Abend, hier zu einer Ausstellung, die mich sehr berührt, weil Niko, mein Vorredner und ich alle ungefähr gleich lang miteinander in Beziehung stehen. Beziehung ist das große Thema dieses Abends, neben einigen anderen Begriffen. Es ist ganz toll, dass ich derjenige bin, der die große erste Werkschau von Niko, ich will nicht sagen eröffnen, aber den Auftakt dazu geben, darf.

Wir haben gerade im Vorfeld kurz privat über den Stellenwert von Kultur im Bundestagswahlkampf gesprochen, der gegen Null tendierte und waren uns einig, dass, wenn es keine Häuser wie diese[s] gäbe, es mit der Kultur anders bestellt wäre, in unserem Land, deutlich anders. Eine Ausstellung oder Ausstellungen wie sie hier stattfinden, in einem Privatmuseum, müssen Sie in öffentlichen Häusern lange suchen, heutzutage. Das hängt an vielen Gründen, darauf möchte ich nicht eingehen, unsere tägliche Arbeit ist ja die Förderpraxis, aber glauben Sie mir, ich weiß wovon ich spreche, und ich weiß auch, wovon ich spreche, wenn ich von privatem, bürgerschaftlichem Engagement auf dem Feld der Kultur rede. Deshalb mein ganz großer Dank an das Ehepaar DKM, wenn ich so sagen darf, auch für die Einladung.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es geht heute Abend um Kunst, der ich, wie gesagt, schon in den achtziger Jahren begegnet bin, in Stuttgart, im Zusammenhang mit meinem Studium. Denn, ich muss sagen, obwohl ich Kunstgeschichte studiert habe, ging man damals doch auch in Galerien. Das war nicht selbstverständlich. Kunsthistoriker waren da immer sehr geneigt, deutlich abzugrenzen zwischen dem hehren Stoff der Seminare und Vorlesungen und dem, was, in der freien Szene gewissermaßen, sich abspielt. Bei uns war das etwas anders, durch den glücklichen Umstand, dass im Studium bei uns die Künstler von der Akademie deutlich präsent waren und unsere Kurse mithörten und wir dadurch ein sehr waches Bewusstsein für gegenwärtige Tendenzen entwickelten. Aber ich glaube, ich kann behaupten, eines der ersten Ateliers, das ich sehen durfte, war Nikos. Ich weiß nicht mehr, Mozartplatz, war das, Mozartstraße? Ich weiß es nicht mehr, also irgendwo im Zentrum. Auf jeden Fall Mitte der achtziger Jahre. Daher rührt unsere Beziehung, die immer wieder ruhte, über längere Strecken, beruflich bedingt. Als ich dann Ende 2014 nach Berlin ging, um meine jetzige Stelle anzutreten, bin ich aber erfreulicherweise sofort, mitten in Berlin, wiederum Niko begegnet mit einem Werk, das mich sofort wieder zurück warf in die Zeit in Stuttgart, weil ich dort eben die ersten direkten Berührungen mit seiner Kunst hatte.

Niko geht es – jeder Kunsthistoriker würde jetzt anders anfangen, da würden jetzt große Ausführungen über Das Blaue in der Kunstgeschichte, vermutlich, folgen, darauf verzichte ich – Niko hat einmal seine ganze spezielle, und da sind wir schon beim Ausstellungstitel, Beziehung zu Blau in Worte gefasst, Zitat: „Blau ist die Farbe der Ferne, des Himmels, des weiten Meeres. In der klassischen Malerei verblaut der Hintergrund und suggeriert so den Filter der Atmosphäre, der sich über die Ferne legt.“ Zitat Ende. Mit diesen sehr prägnanten Worten sind im Grunde die drei großen Säulen, die uns auch heute in der Ausstellung begleiten und begegnen werden, festgemacht. Es ist der Raum, der ihn interessiert, es ist das Filtern und damit in Zusammenhang stehend, ganz unmittelbar, ist es das Licht. Diese drei Komponenten sind gewissermaßen sein Material. Sein Material ist also zunächst der Raum, und da kann ich Ihnen im Grunde nur aus meiner ganz persönlichen Erfahrung mit Werken von Niko kurz darlegen, wie er mit Außenraum umgeht. Innenraum sehen wir nachher ja noch sehr schön bestückt hier in der Ausstellung.

In Stuttgart entstand 2014 in einem Krankenhaus ein Raum von Niko, den er Raum der Stille nannte. Das ist ein unglaublich ästhetischer Rückzugsort in einer Klinik. Man kommt herein und wird umfangen von einer baulichen Struktur, in die, wie ein amorphes Gebilde, blaue Leuchtkästen, Fenster eingebaut sind, die den ganzen Raum in ein blaues, sehr angenehmes Licht tauchen. Überhaupt nicht kühl, überhaupt nicht kalt, sondern sehr behaglich, wenn man so möchte. Der Ansatz war, dass jedes Krankenhaus natürlich in der Regel Kapellen besitzt, aber nicht jeder Mensch in eine Kapelle möchte, wenn er Sorgen mit sich trägt; dass man einen Ort schafft, in diesem sehr lebendigen, sehr umtriebigen Klinik-Milieu, [der] Ruhe, meditative Komponenten, und auch Stärkung für sich selber erlaubt. Das ist in diesem Krankenhaus, glaube ich, auf einmalige Art und Weise gelungen. Und was mich da fasziniert ist tatsächlich, dass dieses Hoffnungsmoment, das Niko diesen Eintretenden mitgeben möchte, wenn sie dann wieder hinaus müssen auf ihre Zimmer und in die Behandlung, eben nicht am klischeehaften Grün, der Farbe der Hoffnung, festgemacht wird, sondern an einer genuin kühlen Farbe, die aber dennoch, ich weiß nicht, wodurch, durch seinen Eingriff, sich in ein ganz zartes, in ein ganz gefiltertes Blau verwandelt, das einen wirklich empfängt und aufnimmt. Diese Wirkung von Blau werden Sie hier verfolgen, wir bewegen uns hier ja gewissermaßen nicht an einem roten, sondern an einem blauen Faden durch die Ausstellung.

Und das Blau war es dann, das mich in Berlin, ebenfalls dann in einem Werk, das 2014 entstanden ist, wieder an Niko erinnerte und dann wurde auch der Kontakt wieder hergestellt. Er hat den Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Gesetze ausgeführt. Nun ist das ein schwieriges Thema, und der Ort war auch nicht einfach. Es ist nämlich in direkter Nachbarschaft zur Philharmonie. Dort stand das Haus, in dem eben unter dem Decknamen „T4“ der Mord an über 70.000 körperlich und geistig Behinderten Menschen in Deutschland vorbereitet wurde. Wie soll man um Gottes Willen neben Scharouns Philharmonie, einem architektonischen und vor allem akustischen Solitär, an solch einen Schrecken erinnern? Man hat sich auf ein ganz reduziertes Vorgehen geeinigt. Man hat ein Pult errichtet, auf dem die Geschichte dieser menschenverachtenden Aktion dokumentiert ist, 24 Meter lang, und Niko hat eine blaue Wand errichtet. Wenn Sie das vor Ort sehen, besuchen, gehen Sie zunächst einmal mit einem ziemlich erhabenen Gefühl auf das Werk zu, denn es ist einfach ästhetisch absolut gelungen und ansprechend in seiner ganzen Einfachheit, es wirkt und es passt. Wenn Sie sich dann aber mit dem Thema auseinander setzen, gewinnt diese Glaswand plötzlich eine ganz, ganz andere Bedeutung. Sie stellen nämlich fest, wenn Sie sich um dieses Pult bewegen, und dann zwischendurch mal aufblicken, dass allein schon diese Scheibe reicht, um eine Selektion vorzunehmen. Alles, was sich dahinter befindet, ist in unnatürliches Blau getaucht. Die Menschen sind ausgegrenzt und Sie selber natürlich auch, von der anderen Seite betrachtet. Das heißt, es braucht nicht viel, um mit ganz reduzierten Mitteln unglaublich viel im Betrachter auszulösen. Das, kann ich Ihnen versprechen, wird in dieser Ausstellung mit Ihnen gleich im Anschluss auch passieren. Also zwei Verfahren, im Krankenhaus und an einem Gedenkort, im Umgang mit Blau, die in ganz andere Richtungen zielen.

Es gibt natürlich in der Ausstellung jetzt vor allem die Werke, die für den Innenraum konzipiert sind. Aber Sie werden feststellen, dass sich die Prinzipien, diese drei Säulen, Licht, Raum und Filter, auch hier ganz zentral manifestieren. Sie können keines der Werke von Niko ungefiltert betrachten. Es ist immer das Spiel mit dem „durch-etwas-hindurch-schauen“. Was ist es, was ist das vom Material her? Es ist zunächst einmal, und das führt auf die Ausbildung von Niko zurück, Fotofolie, Filterfolie. Das ist ein Werkzeug, dem ist er in seiner Ausbildung zum Fotografen natürlich hinlänglich begegnet. Er benutzt diese Filterfolie aber eben nicht als Medium des fotografischen Prozesses, oder nicht nur, sondern er benutzt sie als genuines künstlerisches Material. Als Primärmaterial, mit dem er natürlich, wie gesagt, seit seiner Ausbildung vertraut ist, und die Folie ist natürlich eng verwandt mit anderen, dünnen, ähnlich funktionierenden Materialien wie dem Glas, oder dem verspiegelten Metall. Zwei weitere Komponenten, die in der Ausstellung auftreten werden.

Wenn man jetzt ganz beflissen sein möchte, könnte man schauen, woher denn eigentlich der Begriff Folie kommt. Der kommt aus dem Lateinischen von Folium, das war das Blatt des Baumes. Und in Ermangelung eines Begriffs für dünne, ganz dünne Materialien, setzte sich dieser Begriff Folium oder Folia im Laufe der Zeit durch für, eben, dünne Materialien. Sie kennen alle die mittelalterlichen Folianten, die eben aus zusammen gebundenen Folio-Seiten entstehen, und die mittelalterlichen Goldschmiede haben ganz dünne Goldfolien unter die Steine gelegt, die sie montiert haben, um deren inneren Glanz zu erleuchten. Also, Sie sehen schon, Folie hat etwas mit Licht, mit optischer Wirkung, zu tun. Es geht um Wahrnehmung, es geht letztlich auch, wenn wir an die Folianten denken, um das Lesen von Nikos Kunst. Die dünne Folie also, das Glas, das reflektierende Metall, entfalten in dieser Ausstellung ihr ganzes, breites, auf optischen Wirkungen basierendes Potential.

Das Davor, und das sind natürlich wir, als Betrachter, wird durch das Durchblicken, das Sich- Spiegeln, nicht nur in 1-zu-1-Form, sondern auch im Spiegeln nur in einem vorbei huschenden Farbton, das Davor also, aber auch das Dahinter, der Raum, eben die Raumfolie, wird durch Filterung und Reflexion, in der jeweiligen Wahrnehmung ganz eindeutig verändert. Man kann also das Sehen, Betrachten von zwei Seiten aus sehen, denn auch das Werk hat eine optische Funktion, das werden wir gleich noch einmal hören, wenn es um den Aufbau der Ausstellung geht. Von Anfang an hat sich Niko also auf Grund dieser Herkunft aus der Fotografie, die er aber nicht zufällig in einem Architekturbüro praktizierte, mit diesen Komponenten Raum, Licht und der Folie, beschäftigt. In einem Vorgespräch, und das war sehr aufschlussreich, hat Niko ganz beiläufig erwähnt, dass er eigentlich in der Ausstellung den Besucher zu einem „Spaziergang durch ein großes, aufgeschlagenes Skizzenbuch“ einladen möchte. Das fand ich ein total einleuchtendes Bild. Und, ich hab mir vorhin die Ausstellung angeschaut, es trifft zu hundert Prozent zu. Denn Sie sehen einen Überblick über sein Schaffen, eine wirkliche Werkschau, die im Grunde alle Formen der Auseinandersetzung mit diesen drei Komponenten dokumentiert. Es geht gar nicht um Gattungsbegriffe, es geht nicht um Installation, es geht nicht um Lichtkunst, und es geht auch nicht um Fertiges, Abgeschlossenes, sondern es geht um dieses Prozesshafte, was ihn interessiert und was er mit uns gewissermaßen still diskutieren möchte. Ein Spaziergang durch ein Skizzenbuch, klar, die Skizze ist etwas Hingeworfenes, ausprobierendes, Improvisiertes, erwartet uns also im Raum – Spaziergang kommt von spatium, der Raum –
da sind wir wieder beim Grundbegriff, und das Buch, in dem die Skizzen sich befinden, setzt sich zusammen aus Folios.

Niko zeigt uns, was er bislang in seinem künstlerischen Schaffen an diesen Begrifflichkeiten entlang entwickelt hat, und dass der Prozess seiner Auseinandersetzung eben nicht abgeschlossen ist, das belegt der Begriff der Skizze, des Improvisierten, Ergebnisoffenen und in gewisser Weise auch Spielerischen, das ist auch eine wichtige Komponente in seinen Arbeiten. Also was erwartet Sie jetzt beim Gang durch die Ausstellung? Zwischen der Ausstellung und Ihnen stehe jetzt nur noch ich. Ich will nicht mehr allzu lange Sie vom Genuss abhalten. Es erwartet uns, wie gesagt, in jedem Raum, ein aufgeschlagenes Skizzenbuch, dessen Einträge alle um dieses große Thema des Raums und seiner durch ästhetische Mittel veränderten Wahrnehmungen kreisen. Ich würde in dem Zusammenhang auch die Fotografie, aus der Niko kommt, lieber mit dem altmodischen Begriff der Lichtbildnerei in Verbindung bringen. Das passt ganz wunderbar, denn Sie werden sehen, auch das Licht wird zum Material, denn die Werke strahlen ihre Farbigkeit, ihre Intensität in den Raum ab, und verändern so wiederum die Raumhülle. Also wenn Sie in dieser wunderbaren Enfilade, diesen aufeinander ausgerichteten Räumen, einmal zurück blicken, dann sehen Sie, dass jeder Raum in einem anderen Weißton erscheint. Das liegt nicht an der Beleuchtung, sondern das liegt an den Werken, die die Beleuchtung verändert.

Wir werden, und das führt uns zurück zu seinen Werken im öffentlichen Raum, feststellen, dass ganz spezifisch die Werke von Niko, die er uns hier zeigt, mit einem vierten Begriff arbeiten. Nämlich dem Betrachter, ohne den geht es in diesem Fall nun wirklich gar nicht. Und zwar nicht nur als Betrachter – jedes Kunstwerk braucht einen Betrachter, das ist natürlich banal – aber seine Kunst braucht einen Partner. Einen Partner, der bereit ist, sich mit diesen Fragen, die er sich stellt, mit diesen Phänomenen, die er uns aufzeigt, mit diesen Wirkungen, die er erzeugt, auseinandersetzt. Das ist etwas Schönes, das kann ich Ihnen versprechen, und es ist etwas überaus Anregendes. Wir sind, glaube ich, zehn Minuten durchgelaufen und ich habe daraufhin mein Redekonzept gewissermaßen komplett verändert, weil der Eindruck so phänomenal war, dass er mich zu ganz anderen Überlegungen angeregt hat, als ich sie mir im Vorfeld gemacht habe. Wir gehen also in diese Ausstellung und Sie werden im ersten Raum schon einmal die Leitmotive sehen, die Niko durch sein Schaffen hindurch begleitet haben. Sie sehen ganz klein eine Wiedergabe von einer Konstruktionszeichnung von Linsen, einem optischen Instrument, das natürlich für die Erfassung, die Bündelung und die Weitergabe von Licht ganz zentral ist und in diesem ersten Raum wird Ihnen auch begegnen die großformatige Folie der Mattscheibe, also aus der Fotografie heraus genommen. Sie werden in der Blaubox feststellen, dass eine schwungvoll aufgehangene blaue Folie nicht nur den Raum verändert, nicht nur den in Schwingung versetzt, und nicht nur mit sich selbst spielt, indem durch Überlappungen, Überlagerungen, Fältelungen ein ganzes Spektrum von Blautönen erscheint – also von ganz einfachem Blau, im wahrsten Sinne des Wortes, bis zu dem verdreifachten Blau durch dreifache Überlagerung – sondern Sie werden auch sehen, dass wir anders sehen, wenn wir in diesen Schwung hineinschauen, oder wenn wir ihn von außen betrachten. Und behalten Sie dabei auch immer den Raum im Blick. Wie wird der Raum durch diese Werke verändert? Es kommt dann ein Raum, in dem verschiedene Techniken und Werke gezeigt werden, eines meiner Lieblingsstücke ist Alle meine Lieben, kleine aufgestellte blaue Scheiben, die wie ein Gruppenporträt der Familie Blau wirken, und in sich auch wieder, wie Filterscheiben, in ihrem kleinen Format, ganz großartige optische Wirkungen erzeugen. Das ist vom Ansatz her ein bißchen vergleichbar mit den blauen Glaskugeln, die auf einer Wand sitzen. Wenn Sie sich die anschauen werden Sie ganz schnell auf die gleiche Assoziation kommen wie ich. Das sind Schröpfköpfe, die der Wand das Blau entzogen haben, man kann es sich gar nicht anders vorstellen, das ist so überzeugend gelöst und sieht so fantastisch aus, dass es anders gar nicht sein kann. Diese Schröpfköpfe wurden der Wand aufgesetzt und sie haben das Blau heraus gezogen. Sie sehen Folien, die wie Karten im Unterricht auf Gestellen hängen, strukturierte Silber- und Goldfolien, die durch leichte schwingende Bewegungen, die jeder Besucher erzeugt, natürlich, durch seine Bewegung, das Licht blitzartig reflektieren, aber im Vorbeigehen natürlich auch Ihre Abspiegelung aufnehmen. Wie gesagt, nicht im 1-zu-1-Abbild, sondern in der Aufnahme des Inkarnats der Kleidung, der Kleidertöne, die verschwinden dann wieder. Also es sind Schautafeln gewissermaßen, Schautafeln optischer Bewegung, wenn sie so wollen. Demonstrationsobjekte, die natürlich nur existieren durch einen sich bewegenden Betrachter.
In einem vierten Raum, und das finde ich ein ganz besonders schönes Werk, werden Sie sehen, dass – Koliusis, der Name hat im Griechischen, das habe ich gerade noch nachgefragt, ich hab selber recherchiert, aber nichts gefunden, aus der Fischerei stammt – dass Niko auch unter die Fischer gegangen ist und zwar unter die Farbfischer, und natürlich Blau geangelt hat. Blau, das in einem Netz aufgefangen wurde, als ob er ein geronnenes Stück des tiefblauen Ozeans an Bord gezogen hätte oder als ob ihm eine Scheibe vom Himmel oder der Blue Moon eben nicht auf den Kopf, sondern ins Netz, gefallen wäre. Der Fischfang mit der Farbe Blau. Am Ende, das kannte ich gar nicht, das ist umwerfend, erwartet Sie im Raum ein kleiner Raum, der aus einem Gestänge besteht, dessen Wände Folien sind. Folien, die übereinander gelagert, gefaltet, ganz ähnlich wie die Arbeiten, die Sie gleich am Eingang sehen werden, diese Serie von gerahmten Folien, wirk[en]. Und durch diesen Raum von Folien, durch diese Kamera – die Fotografie entwickelt sich aus der Camera Obscura, hier könnte man im Grunde von der Camera Magnifica sprechen, die etwas verstärkt, nämlich die hindurch fallenden Lichtstrahlen – da wird durch einen Beamer gezeigt, seine Werke im öffentlichen Raum, also die Stücke, von denen ich vorhin sprach, und einige andere. Und durch dieses Brechen durch die Folien hindurch erscheint das auf eine Art und Weise sehr entfremdet, aber auch überaus ästhetisiert. Sie haben auf der einen Seite das erkennbare bewegte Motiv dieser Aufnahmen, Sie haben aber auf der anderen Seite, weil es ein vierseitiger Folienraum ist, eine Abstrahlung, die rein abstrakt wirkt, die wie huschende, tanzende Formen über die Wand gleitet. Ein ungeheuer tiefer Eindruck, freuen Sie sich darauf, gehen Sie ohne diese Blau-Allüren des Kunsthistorikers durch die Ausstellung.

Die Werke von Niko wollen keine Antworten liefern auf irgendwelche Fragen, sondern sie wollen anregen, und zwar wirklich im besten Sinne. Sie wollen anregen, durch ihr Spiel mit Licht, Schatten, Raum, und ihren Titeln, auch die Titel sind ein wichtiges Element. Wenn wir sagen, wir gehen in ein Skizzenbuch, dann kann ich nur empfehlen, nehmen Sie die Werke als Lektürestoff, als schweigsame und doch gleichzeitig beredsame Gesprächspartner, als Stimulanzien beim Sehen und Wahrnehmen. Die Werke sind nämlich nicht doch allein und vielleicht nicht einmal, so wie ich es jetzt suggeriert habe, in erster Linie auf die wichtigen Begriffe Raum, Licht, Folie bezogen, sondern ganz zentral auf Sie, als Spaziergänger und Betrachter. Blättern Sie in Nikos großem Skizzenbuch und erfreuen Sie sich an einer dialogischen, überaus ästhetischen Kunst, die ganz fest mit Ihnen als sensitivem Partner rechnet. Vielen Dank Niko, für die tolle Ausstellung und einen anregenden Kunstgenuss uns allen.

Das Museum DKM zeigt mit der Ausstellung Blaubeziehung. Nikolaus Koliusis bis zum 07. Januar 2018 eine umfangreiche Werkschau des Künstlers Nikolaus Koliusis (*1953). Nach zwei Einzelausstellungen in der Galerie DKM (1999 und 2009) sowie einer Kabinettausstellung im vergangenen Jahr, widmet das Museum DKM ihm damit zum ersten Mal eine umfassende museale Einzelausstellung in Nordrhein-Westfalen.
Die Ausstellung ermöglicht einen Überblick über das Werk Koliusis‘ von 1980 bis 2017 in den sechs Räumen der fast 500 Quadratmeter großen Wechsel¬aus¬stel¬lungsfläche im Erdgeschoss.
Koliusis beeinflusst durch den Einsatz von halb-transparenten, durchscheinenden oder spiegelnden Flächen spielerisch die Raumwahrnehmung der Betrachter. Es ist dieses Wechselspiel von Innen und Außen, die Fragestellung, was ein Wechsel der Perspektive bewirkt, die Koliusis immer wieder fasziniert und die er mit einfachsten Mitteln von der abstrakten Ebene buchstäblich in die Mitte des Raumes zu holen weiß.

Museum DKM, Güntherstraße 13–15, D-47051 Duisburg
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